75. Frankfurter Buchmesse

Bücher, so weit das Auge reicht – meine erste Begegnung mit der Frankfurter Buchmesse brachte mich ins Schwelgen.

Nachdem ich im Frühjahr schon erstmalig die Leipziger Buchmesse besuchen durfte, war mir schnell klar: Die Frankfurter Buchmesse im Herbst lasse ich bestimmt nicht aus. An Ständen und Bücherregalen vorbei schlendern, dabei die Seele baumeln lassen, zwischendurch innehalten und sich in ein Buch vertiefen – das tat richtig gut.

Anreise und Ticket

Von Marburg über Frankfurt-West bis zur Messe waren es mit Zug und S-Bahn nur knapp anderthalb Stunden. Meinen Rucksack hatte ich, wie empfohlen, vorsorglich daheim gelassen, um mir die Taschenkontrolle zu ersparen – allerdings waren zu meiner bequemen Ankunft gegen 11:30 Uhr ohnehin keine langen Schlangen mehr zu sehen. Immerhin hatte die Messe schon seit 9:00 Uhr geöffnet.

Vom Bahnsteig Messe ging es über eine lange Rolltreppe direkt hoch zum Eingangsbereich im sogenannten Torhaus. Die Besucherführung war hier ein wenig verwirrend: Links von den Ticket- und hinter den Taschenkontrollen hatten drei Kassen geöffnet. Davor war mit leuchtend roten Gurten eine Warteschlange angedeutet – die aber, so man denn zum Anfang der Gurte lief, als Fast-Lane für Aussteller gekennzeichnet war. So mogelten sich die Besucher stattdessen hinten an den Gurten vorbei direkt zu den Kassen und wurden freundlich versorgt.

Das Online-Buchungssystem der Buchmesse war eigentlich meine erste Wahl, aber in den Morgenstunden völlig überlastet, so dass ich ebenfalls erst vor Ort ein Tagesticket löste – und glücklich, dass alles geklappt hatte, die Ticketkontrolle passierte.

Messeplan, Messehallen, WLAN

Nun befand ich mich wohlbemerkt auf einem langen hellen Gang im ersten Stock, von dem aus links und rechts Zugangswege zu den einzelnen Messehallen abgingen. Soweit konnte ich es auch auf dem Messeplan aus Papier, den ich mir am Einlass erbeten hatte, erkennen. Ich entschied mich, die erste Halle linkerhand zu betreten und mir Orientierung zu verschaffen: Halle 6, internationale Aussteller. Hier sortierte ich mich einen Moment.

Da der Plan und die Website zur Buchmesse mich bzgl. der Veranstaltungsübersicht kaum weiter brachte, entschied ich mich, mir die Smartphone-App zu installieren. 92 Megabyte – also auf ins WLAN. Doch welches? Zahlreiche Netze priesen sich an, jedoch alle verschlüsselt. Über Google fand ich eine PDF-Anleitung der Buchmesse mit einem QR-Code zum freien WLAN – den ich mangels zweitem Smartphone aber leider nicht einscannen konnte – doch daneben auch dem WLAN-Namen „bookfair 2023“. Also die WLAN-Einstellungen geöffnet, neues Netzwerk, WLAN-Namen eingetippt, dabei das Leerzeichen weggelassen, Nutzungsbedingungen bestätigt – und ich war verbunden.

Da die App trotzdem einige Minuten für den Download brauchen würde – ca. 1% pro Sekunde – steckte ich das Smartphone wieder in die Hosentasche und stürzte mich ins erste Abenteuer.

Zum Einstieg: Comic Centre in Halle 6.1

Mein Blick fiel auf ein buntes Potpourri von Ausstellern mit bunt illustrierten Büchern – ich war im Comic Centre mit internationalen Comics und Bilderbüchern gelandet. Wie eine riesengroße Kinderbuch-Abteilung! 😊

Leuchtende Farben erfreuten mich, britisches Englisch drang mir ins Ohr. Hunderte Geschichten mochten sich in diesen Büchern verbergen! Zwei große Katzenaugen schauten mich an: „Inside Cat“ von Brendan Wenzel – um nur eines zu nennen – erzählt von einer Katze, die drinnen in der Wohnung lebt, aber trotzdem beim Blick aus den Fenstern immer wieder etwas Neues entdeckt.

Ähnlich ging es auch mir, wobei meine Fenster die Bücher und Stände, die Gänge und Treppenhäuser waren. Es stellte sich heraus, dass diese Messehalle noch zwei weitere Etagen über und unter mir hatte, 6.2 und 6.0 genannt. Und dass es in jeder Halle mehrere Cafés, sowie in den Foyers am Rande der Hallen Imbissstände und Restaurants gab.

App ins Programm – Ehrengast Slowenien in Halle 4.1

Inzwischen war auch die App geladen – und im Veranstaltungskalender fand ich unter „Veranstaltungen auf dem Messegelände“ einen schnellen chronologischen Überblick der heutigen Veranstaltungen.

Aus dem diesjährigen Ehrengast-Land Slowenien gab es um 13:00 Uhr einen Vortrag zum Thema „Geht unsere Welt zu Grunde?“ mit der Schriftstellerin Nataša Kramberger und dem Journalisten Boštjan Videmšek. Kramberger berichtete auf deutsch von ihrem Bauernhof, den sie versucht, im Einklang mit der Natur zu bewirtschaften – und hiermit auch während der letzten Dürrejahre bessere Erträge als die industrielle Landwirtschaft erzielen konnte. Videmšek sprach auf englisch von aktuellen Kriegen und Naturzerstörung.

Laut Veranstaltungskalender sollte der Vortrag eigentlich im Forum F.1 am anderen Ende des Messegeländes stattfinden. Von Halle 6.0 brauchte ich über Rolltreppen, Gänge und Rollbänder, an Schlangen und Signierstunden vorbei, fast eine Viertelstunde dorthin. Nur um dann festzustellen, dass im Veranstaltungstext ein geänderter Veranstaltungsort vermerkt war: Nämlich in Halle 4.1, also nahe meinem Ausgangspunkt. Zurück brauchte ich überraschenderweise nur noch sieben Minuten, dafür hatte ich jetzt endlich den nötigen Überblick über das Messegelände.

Und wo ich mich nun schon inmitten von Slowenien befand, bestaunte ich eine Ausstellung slowenischer Illustrationen. Die Bilder und Geschichten durchbrachen alle Sprachbarrieren.

Verkaufsstände – Großes Getümmel in Halle 3.0

Während ich bisher überwiegend Ausstellungsstücke begutachten durfte, klingelte in Halle 3.0 die Kasse. Hier waren die bekannten Verlage, die neuesten Veröffentlichungen in ausreichender Stückzahl – und die meisten Menschen zu finden.

Ursprünglich wollte ich hier einen kleinen Vortrag über die Wirkung und Arbeit an der eigenen Stimme hören – so entschloss ich mich aber, den Besuch der Halle samt Bücherbummel lieber auf den Abend zu verlegen.

Buntes Treiben auf der Agora

Währenddessen war auf dem Freigelände zwischen den Messehallen einiges los. An den zahlreichen Imbissbuden und Imbisswägen bildeten sich lange Schlangen – so dass ich doch lieber schnell einen Hot-Dog im Foyer aß. Am Himmel hatte die Sonne die Wolken durchbrochen und erfreute mit ihren wärmenden Strahlen.

Auf der Open-Stage-Bühne waren Julia Röntgen und ihr Mann und Pop-Sänger Sasha mit Lesung und Musik zu ihrem gemeinsamen Kinderbuch „Toto und der Mann im Mond“ zu hören.

Später lauschte ich hier den Comic-Zeichnern @kriegundfreitag, Flix und meta bene beim gemeinsamen Gespräch und Lesungen aus ihren aktuellen Büchern. Sie erzählten außerdem, wie sie zum Zeichnen gekommen waren und wie ihre Comics entstehen.

Internationale Aussteller in Halle 4, 5 und 6

Sehr beeindruckend fand ich die vielfältige Präsenz der vielen unterschiedlichen Länder und Kontinente dieser Erde – ein deutliches Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zur Leipziger Buchmesse. Oft bildeten mehrere Stände ein Länderviertel, in dem die jeweiligen Landsleute und Besucher in der jeweiligen Landessprache zu hören waren.

Von Druckereien (Printing) bis hin zu Verlegern (Publishing), von kleinen Standard-Messekabinen bis hin zu aufwändigen Installationen und Aufbauten gab es hier viel zu erleben und zu entdecken.

Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat

Zum Ausklang schaute ich noch bei der Literaturbühne vorbei – hier berichtete Cornelia Funke ab 17:00 Uhr von ihrem neuesten Tintenwelt-Roman „Die Farbe der Rache“ im Gespräch mit Bärbel Schäfer.

Um 17:30 Uhr war die Marburger Poetry-Slammerin Leah Weigand zu hören, unter anderem mit einem Text zur prekären Situation der Pflege, sowie Gedanken an ihren Großvater.

Auf der Foto-Bühne hatte ich spontan Gelegenheit, mich mit der Kinderkanal-Figur „Bernd das Brot“ ablichten zu lassen – das ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Das Mainzelmännchen „Det“ machte gerade Pause.

Zwischendurch gab es ein Glas Cola (0,3 Liter) zum Messepreis von 4,30 EUR, das ich mir selbstverständlich gut einteilte.

Abschied

Noch ein schneller Abstecher über den Büchermarkt in Halle 3.0 – jetzt war die Menschenmenge etwas abgeebbt – und ich konnte mit einem neuen Buch im Schlepptau die Heimreise antreten. Geworden ist es übrigens der Comic-Band „Um die Wette existieren“ von @kriegundfreitag. Notiert habe ich mir noch das niederländische illustrierte Büchlein „Vrienden maken“ von Daphne Deckers sowie das englische „Inside cat“ von Brendan Wenzel. Kleine Meditationen für den Alltag.

Auf der Suche nach dem Ausgang zur S-Bahn landete ich (wie einige andere) zunächst an der Emser Brücke, ein kleiner Umweg führte dann zur gewünschten Haltestation „Messe“. Über Frankfurt-West ging es zurück nach Marburg – ein schöner Tag.